Ist die Baubranche mit einem blauen Auge davongekommen?

Während die Gastro- oder die Kulturbranche durch die COVID-19-Pandemie besonders hart getroffen wurde, blieben die Baustellen weitgehend offen. Doch wie sieht es wirklich für die Baubranche aus? Hier ein Zwischenbericht und eine Auswertung unserer eigenen Umfrage.

Der Schweizerische Baumeisterverband zeigt, wie hart es die Baubranche wirklich getroffen hat. Die Umsätze sind während des Lockdowns im März und April um bis zu 15 % zurückgegangen, wobei die drei Sprachregionen sehr unterschiedlich stark betroffen sind. Die Romandie verzeichnet sogar einen Rückgang um bis zu 40% und im Tessin sieht es auch nicht besser aus.

Die grössten Schwierigkeiten

Im letzten Newsletter haben wir Sie gefragt, welchen Einfluss die Corona-Krise auf Sie und Ihre Firma hat. Wir möchten uns bei den 324 Personen bedanken, die bei der kurzen Umfrage mitgemacht haben. In unserer Umfrage hat sich gezeigt, dass sistierte und abgesagte Projekte sowie unterbrochene Lieferketten die grössten Probleme und Herausforderungen waren. Davon sind 37% unserer Kunden betroffen, während 42% zurzeit keine grossen Auswirkungen spüren.

Der SBV publiziert, dass die Arbeitseingänge schweizweit 6% zurückgingen. Investitionen von Unternehmen und Privaten werden durch die gesamtwirtschaftlichen Unsicherheiten zurückgehalten. Doch gerade Grossprojekte werden weiterhin realisiert und der Tiefbau wird durch Investitionen des Bundes weniger leiden.

Auch bei der Beanspruchung der staatlichen Hilfe zeichnet sich in der Baubranche ein abweichendes Bild ab, als in anderen Sektoren. 85.7% unserer Kunden haben keine staatliche Hilfe beantragt, 14.3% unserer Kunden haben die Möglichkeit in Anspruch genommen. Hätten die Behörden die Bautätigkeiten stärker eingeschränkt, wäre dieser Wert vermutlich weitaus höher ausgefallen. Die Margen in der Baubranche sind seit den 70er Jahren stetig gesunken und nur wenige Firmen im KMU-Land Schweiz verfügen über eine solide finanzielle Basis, welche es erlaubt über längere Strecken auf Einnahmen zu verzichten.

Chance für die Digitalisierung der Branche

Eines wurde schnell klar, es ist höchste Zeit in den Ausbau von digitalen Hilfsmitteln zu investieren. 71% der Teilnehmenden unserer Umfrage geben an, dass ihre bisherigen Arbeitsprozesse durch die Einschränkungen nicht mehr funktionieren. Dies ist zu einem grossen Teil sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass das Baugewerbe grösstenteils ihre Leistungen vor Ort erbringen muss.

Nicht nur Kollaborationslösungen sind gefragt, sondern gerade auch bei den erwähnten Lieferverzögerungen ist eine rechtssichere Dokumentation des Baufortschritts unabdingbar. Auch die Arbeitnehmenden haben neue Bedürfnisse, zum Beispiel vermehrt die Möglichkeit für Home-Office, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts sotomo zeigt. Zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung möchte das Home-Office nach der Krise weiterführen und weitere 10% sogar nur noch von zu Hause arbeiten. In der Baubranche ist das Konzept in einigen Berufsgruppen wenig bis gar nicht möglich, dennoch ist hier das Potential noch lange nicht erreicht und dafür muss die Branche mobiler und digitaler werden.

Was bringt die Zukunft

Trotz der unsicheren Lage und vieler düsterer Prognosen blicken doch 85,7% unserer 324 Kunden, die bei der Umfrage mitgewirkt haben, optimistisch in die Zukunft. Wir können diesen Optimismus nur unterstützen, haben doch viele Krisen aus der Vergangenheit gezeigt, dass sie fruchtbarer Nährboden für Neues sind.

Quellen:
Schweizer Baumeisterverband: Corona bremst Bauhauptgewerbe
sotomo: Corona-Krise: Monitoring der Bevölkerung 24/03/20
Baublatt: Schweizer Baukonjunktur im Bann von Covid-19

10. Juni 2020 | Kategorie: Allgemein, Digitalisierung